Nachlese
Der Sommer verblüht. Und André schaut zurück.
Wieviel Prozent Sommer sind noch bei Dir?
Checkin-Frage

Saluti vom Schreibtisch
Diese Zeilen schreibe ich gerade nach dem Strand. An dem ich allein war. War seltsam. Und seltsam schön. Der Sommer ist fast verblüht. Obwohl das Laub noch grün ist, hat das Nachmittagslicht diesen gelben Schimmer und wirkt selbst trocken. Und der Strand hier am Lago, sonst immer voller Menschen, voller Kindergeschrei, mit Booten, die über das Wasser pesen und Flugzeugen, die über den See propellern, dieser Strand war ruhig. Und leer.
Das beste Wort, dies zu beschreiben ist: eigentümlich.
Und dicht.
Denn ich dachte an die Menschen, die gerade nicht da waren. Damit waren sie präsenter als sonst. Und ich auch. Irgendwann fiel mir auf, dass ich das Handy viel weniger in der Hand hatte, als zu den Zeiten, wenn andere Menschen da waren. Ich wollte alles aufnehmen, alles spüren. Den Wind fühlen. Die Wellen hören. Das Licht auf dem Wasser glitzern sehen. Ich blickte in der Ferne den Fähren nach Verbania hinterher, schnatterte mit ein paar Enten, die mir Gesellschaft leisteten und wohl dachten, dass ich etwas einsam wäre.
Alles war unmittelbar.
Weil es danach war. Und allein.
Wie das Schreiben.
Das ist auch danach. Und allein.
Wir schreiben nicht, während wir verliebt tanzen und uns an die verschwitzte Haut des anderen schmiegen und es uns egal ist. Wir haben keinen Stift in der Hand, während wir herzhaft lachen und ein Freund den Wein nachgießt. Und das Notizbuch bleibt in der Schublade, wenn die Hüfte beim Aufstehen aufjault und man sich in den Rücken greift. Schreiben ist immer hinterher. Eine Nachlese, von dem, was war. Selbst bei den erfundenen Geschichten, die – ob wir es wollen oder nicht – von dem gefärbt werden, was wir erlebt haben.
Am Strand heute wusste ich schon, dass ich darüber schreiben würde. Das sind die schönen Augenblicke, oder? Wenn man schon weiß, dass das, was gerade passiert auf dem Papier landen wird. Aber häufig weiß ich es eben nicht, wenn ich mich z. B. bei meinen Morgenseiten treiben lasse und überrascht bin, wer und was da alles wieder auftaucht.
Nachlesen bedeutet zu sortieren.
Und das Schreiben ist ein gutes Werkzeug, das eigene Leben zu sortieren.
Das Wichtige und das Schöne und das Lustige festzuhalten, was das Leben zum eigenen Leben macht. Und den unwichtigen Kram gütig ins Vergessen freizugeben.
Der Strand war dieses Jahr wichtig für mich. Wenn Du den Newsletter öfter liest, dann weißt Du, dass ich diesen Sommer viel Zeit in Italien verbracht habe. Als ich heute allein da saß, merkte ich, wie viel ich davon in mir habe. Und wieviel davon mein diesjähriger Sommer war. Und jetzt, hier am Schreibtisch wird mir klar, wie wichtig mir dieser Ort ist.
Weil ich darüber schreibe.
Denn da waren O. und M. und D. und A. mit denen wir so viel Parlare-parlare gemacht haben. Und uns einmal zusammen überfraßen und zwischendurch tanzten (ich schrieb hier darüber). Nicht zu vergessen M. und J. und S., die mir meine eine Reicht-fürs-Leben-Standup-Paddle-Erfahrung ermöglichten. Und natürlich W. und M. und ein verschütteter Wein, über den ich noch immer lachen muss.
Schreiben macht Spaß. Schreibend nachzulesen, macht mehr Spaß.
Also, heute mal ganz einfach:
Welche Erinnerungen stünden in diesem Text, wenn Du ihn geschrieben hättest?
Reflexionsfrage
Schnapp Dir Stift und Papier und lies einmal Deinen Sommer nach.
Hab ein schönes Wochenende
Dein André
PS: Wenn Du denkst, ein netter Mensch profitiert von unserem Newsletter, leite ihn doch gerne weiter. So hilfst Du uns! ♥️
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