Ankommen

Sonja kehrt nach Frankfurt zurück. Und das Schreiben hilft ihr dabei.

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Ankommen

Was brauchst du, um bei dir zu bleiben?

Checkin-Frage

Grüße vom Schreibtisch

Ankommen, na klar, das erwartbare Thema von einer, die vier Wochen auf Reisen war. Nach dem Motto: Körper ist schon da, Seele noch jenseits der Grenze. Aber ich meine es grundsätzlicher. So ganz von Grund auf. Denn die letzten Wochen war ich angekommen. Da erlebte ich, wer ich noch sein könnte. Eine, die die Muße hat, stundenlang im Bett einen mittelprächtigen Krimi zu lesen, ohne es als Zeitverschwendung zu betrachten. Eine, der das Konkurrenzfederchen nicht die Tinte verkratzt, wenn das Papier des Nebenmenschen sich unanständig schnell füllt. Eine, die in bis zur Decke gestopften U-Bahnen sitzen kann, ohne sich innerlich die Panik runterzuzählen. Voilá – die bessere Seite meines Ichs, auf die ich innerlich immer gezählt hatte, ließ sich wirklich dreißig Tage lang blicken. Nice to meet you!

Hier, in den Schnüren meines Erwerbs- und Alltagslebens, ist es schwieriger. Es wäre vielleicht einfacher, wenn es keine Apps, keine Technik, keine dicken Bücher gäbe, die jedes Stückchen Zeit einteilen und das Leben portionieren, die mich von A nach Z dirigieren und wieder zurück, bis ich nicht(s) mehr buchstabieren kann. Wenn da jemand wäre, der mir, schon ein wenig datengeschrottet, den Rettungscode zuflüstern könnte. Keep it cool.

Verlierst du dich im Alltag auch immer wieder aus den Augen?

Und wenn ja, warum?

Ich habe Seiten gefüllt mit dieser Frage und eine Zwischenbilanz gezogen. Erstens: Ich möchte es zu vielen Menschen recht machen. Zweitens: Es ist mir zu wichtig, was andere von mir denken. Drittens: Ich bin dem Perfektionsdogma verfallen. Alles muss sinnvoll sein und mich weiterbringen. Wohin, frage ich mich seit wenigen Tagen. Und warum gelingt es mir in meinem Jeden-Tag-Leben nicht, Misses Mühelos zu sein?

Ist doch schon verblüffend, was für unterschiedliche Wesen in uns stecken. Wie sie plötzlich ausbrechen und die Oberhand gewinnen und sich ohne Vorwarnung wieder totstellen und unerbittlich sind, wenn wir nach ihnen rufen. Und wie ihrer schönen Eigenschafen habhaft werden?

Vielleicht – du ahnst es schon – indem wir den Stift zur Hand nehmen und genau beschreiben, wie es sich anfühlte, als wir generös oder glücklich, frei, verliebt ins Leben oder schaffenslustig waren, tief zufrieden, lustig, einfach weil ein Lachen aus uns herausperlte. Wie fühlt sich grundlose Leichtigkeit an. Wäre das eine Frage nach deinem Geschmack, wenn du dich der angenehmeren Version deiner selbst widmen möchtest?

Was hältst du von einer Liste mit zehn Eigenschaften, die du an dir magst?

Oder ein Cluster von Menschen, die sich mit dir gerne treffen.

Du könntest einen Dialog schreiben, mit dir selbst good guy /bad guy spielen. Und dabei deine Ängste verhandeln. Vielleicht macht es dir Freude, für deine Verschwendungssucht ein gutes Wort bei der Sparerin in dir einzulegen. Oder du könntest so tun, als ob du toll bist. Und irgendwann überrascht feststellen, dass das Faken von seelischem Großmut in dir gewisse Blüten treibt. Jeden Tag ein kurzer Lockruf für dein besseres Ich in, sagen wir zwanzig Zeilen in ein schlichtes, aber sehr zufriedenes Notizbuch, das wäre schon ein Anfang.

Bist du dabei?

Wann/bei welcher Entscheidung hast du das letzte Mal das Gefühl gehabt, ganz bei dir gewesen zu sein?

Reflexionsfrage

 

Hab ein lebendiges Wochenende! 😎

Grüße aus Frankfurt sendet Dir

Sonja

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