Bauch und Wort
André hat zu viel gegessen. Und schreibt trotzdem.
Durch welchen Text hast Du Dich zuletzt beim Schreiben gequält?
Checkin-Frage

Saluti vom Schreibtisch
Am liebsten schreibe ich so: zwei Espresso drin, geile Idee, gute Musik auf die Kopfhörer und dann einfach lostippen und mich selbst mitreißen. Das funktioniert manchmal. Nur heute leider nicht. Deswegen wage ich mal wieder ein Experiment:
Ich habe eine Idee, fühle mich aber gar nicht nach schreiben.
Ich probiere es trotzdem.
Ich bin heute nämlich angeschlagen. Nicht mal hitzebedingt, sondern verdientermaßen. Wir waren gestern zu einem italienischen Abendessen eingeladen. Und da habe ich mir den Magen nicht verdorben, aber ordentlich überfordert: erst wurden reichlich Antipasti aufgetischt, dann gab es Pizza. Der Grill wurde angeschmissen, aber zu meiner Überraschung gab es noch eine Runde Pasta, bevor uns Fleisch und Käse mit Beilage serviert wurden. Unter „dai dai, mangia mangia“ („los, los, iss, iss!“) unserer Gastgeber fuhren wir uns dann noch das Mango-Tiramisu rein, lehnten den Caffè um elf Uhr abends ab, um dann bei den frischen Melonen doch schwach zu werden. Um Mitternacht waren wir durch. Und meine Nacht ab halb zwei unruhig. Also wenig geschlafen und mein Bauch ist heute so ein bisschen wie die Region um den Ätna.
Nur damit Du weißt, in was für einem Zustand ich gerade diese Worte an Dich richte.
Ach ja, die Idee! (Sorry.)
Sie ist nicht von mir. Ich habe sie irgendwo in einem Text, einem Newsletter oder im Radio aufgeschnappt. Und nachdem ich gerade 15 Minuten meinen Stift zerkaut habe, woher ich sie nun habe, gebe ich auf. Teile sie aber trotzdem mit Dir. Es ging um die Frage, wann ein Kunstwerk fertig ist.
Und die hängengebliebene Antwort lautet: wenn im Künstler freigelegt wurde, was freigelegt werden sollte.
Lass das mal sacken.
Musste ich auch erst mal, als jemand, der viel im Internet schreibt, was auch heißt, sich mit der Performance der eigenen Texte auseinanderzusetzen: Likes, Shares, Aufrufe. Trotzdem – oder gerade deshalb – brachte dieser Gedanke, Erfolg beim Schreiben nicht außerhalb, sondern innerhalb zu suchen, etwas zum Schwingen. So stark, dass mein angeschlagener Körper diese Schwingung immer noch spürt und sich aufrafft, diese Worte zu Papier zu bringen.
Wobei mir gerade auffällt, dass ich einen gedanklichen Fehler mache: Ich setze „fertig“ und „erfolgreich“ gleich. Was nicht stimmt. Ich habe Texte, die mich innerlich gedreht haben, aber draußen nicht funktionierten. Und ich habe So-lala-Werke, die mehr Anerkennung bekamen, als ich vermutet hatte.
Und während ich das schreibe, kommt eine Mail rein. Ein Kommentar zu einem anderen Text von mir. Jemand bedankt sich, dass ich in Worte gefasst hätte, was dieser Mensch schon seit Jahren fühlt, ohne es genau ausdrücken zu können. Da kommt zum angeschwollenen Bauch die Brust dazu.
Es zählt eben doch nicht nur, was ein Text mit mir macht.
Sondern auch, was er mit Dir macht.
Idealerweise treffen sich die beiden Erfolgskriterien, sagen freundlich „hallo“ und hüpfen Hand in Hand in Richtung „Ende“ weiter.
Tun sie das bei diesem Text auch? Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, ob ich damit wirklich zufrieden bin. Bzw., ob ich mit mir zufrieden bin. Magen schlägt heute Urteilsvermögen.
Andererseits: Falls ich Dich anregen konnte, einmal darüber nachzudenken, was Dein Schreiben in Dir freilegt, betrachte ich mich als fertig.
Also:
Woran merkst Du, dass ein Text mit Dir fertig ist - und nicht nur Du mit ihm?
Reflexionsfrage
Schnapp Dir Stift und Papier und fang mal an zu graben.
Hab ein kreatives Wochenende
Dein André
PS: Wenn Du denkst, ein netter Mensch profitiert von unserem Newsletter, leite ihn doch gerne weiter. So hilfst Du uns! ♥️
Die kommenden Schreibzirkel-Events
Outdoor- und Nature-Writing
(jeweils So., 6.9. + So., 11.10.2026)
Schreiben an der frischen Luft: In diesem Tagesworkshop erkunden wir gemeinsam, was Orte, Natur und die eigenen Sinne mit dem Schreiben machen. Mit nach Hause nimmst du erste Texte — und den Anfang eines Naturtagebuches.
Von Todsünden und Tugenden
(So., 15. Nov. 2026)
Bringe Sprengkraft in deine Geschichten und nutze das emotionale Spannungsfeld aus Todsünden und Tugenden, um deine Figuren in packende moralische Dilemmata zu stürzen! An diesem intensiven Schreibtag erforschst du spielerisch die psychologische Spannungserzeugung und schmiedest aus menschlichen Lastern und Tugenden faszinierende Szenarien für deine Texte.
Deine Schreibkurse für daheim
Aus Deinen Ideen werden inspirierte Texte. Jederzeit.
Nicht mehr nur davon reden – endlich tun. Mit Schreibhandwerk und Übungen, die Dich ins Schreiben bringen und drin halten. Kommen nämlich von uns: praxiserprobiert, motivierend und fundiert. Am Ende hältst Du Texte in der Hand, die Dich selbst überraschen.