Hecker vs. Hitze
Hecker vs. Heat Dome – ein Kampf in fünf Runden
Eis oder Schreiben?
Checkin-Frage

Grüße vom Schreibtisch
Ein epischer Kampf, ausgetragen in meinem Kopf und hier auf dem Computer. In der einen Ecke haben wir André Hecker, erfahrener Trainer für kreatives Schreiben, Schwergewicht im Schreiben von leichtfüßigen Texten, die inspirieren. In der anderen Ecke: „Heat Dome“, die erste große Hitzewelle 2026, die Europa und meinen Kopf in einen Ofen verwandelt.
Wer wird gewinnen?
Die Glocke läutet und eröffnet Runde 1.
Da startet Hecker, er versucht es mit der Idee, den letzten Satz aus Sonjas vorherigen Newsletter als Beginn seines eigenen Textes zu nehmen. Und seinen Text mit ihrem ersten Satz zu beenden. Eine klassische Inspirationsübung. Wie wird „Heat Dome“ darauf reagieren? Der lässt sich erst mal nicht aus der Ruhe bringen und lässt Hecker einfach weiter schwitzen und sich Luft zu fächeln. Und da scheint Heckers Angriff auch schon die Puste auszugehen. Nach einer halben A4-Seite lehnt er sich zurück und scheint nicht mehr an die eigene Idee zu glauben. Schade, aber ein starker Aufschlag.
Ding Ding Ding!
Die beiden Kontrahenten gehen in ihre Ecken. Hecker nimmt einen Schluck Wasser. „Heat Dome“ guckt entschlossen rüber.
Da klingelt die Glocke wieder. Runde 2.
Hecker scheint erst mal zu warten, tänzelt um „Heat Dome“ und versucht ihn aus der Reserve zu locken, doch Heat Dome lässt sich nicht provozieren. Aber was ist das? Versucht Hecker da einen klassischen Meta-Ebenen-Angriff? Ja, ja! Er beginnt einen Text die "App-ness" des Schreibens: Wenn es fürs Schreiben eine App gäbe – was müsste sie eigentlich können? Doch Hecker will die Frage gar nicht beantworten. Er benutzt sie als Hebel. Denn wer überlegt, welche Lücke so eine App schließen müsste, muss erst einmal verstehen, was Schreiben überhaupt ist. Ein Reflexionsanregung über das Wesen des Schreibens, getarnt als Produktidee. Ein mutiges, weil anspruchsvolles Manöver – denn so ein Gedanke braucht einen kühlen, klaren Kopf. Und genau den hat Heat Dome ihm längst weggekocht. Nach einer Dreiviertel-Seite ist Schluss. Der Angriff läuft ins Leere, denn der Text bekommt keinen Zug. Auch so kann man seinen Gegner langsam auslaugen.
Ding Ding Ding!
Hecker und Heat Dome wieder in ihren Ecken. Hecker wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er sieht aus, als wüsste er, dass es für ihn nicht gut läuft. Da spritzt er sich Wasser ins Gesicht, schüttelt sich und macht sich wieder auf in den Ring.
Glockenklingeln. Runde 3.
Dieses Mal geht Hecker gleich in den vollen Angriffs-Modus und versucht es mit einem Text in Form eines Streams of Consciousness, in dem er jeden einzelnen Gedanken, den er hat, aufschreibt. Das sieht gut aus. Wort für Wort füllt sich die Seite. Scheint, als hätte er schon eine Seite voll geschrieben! Ja, er wird sicherer, er tippt und tippt und tippt und der Wortzähler springt höher und höher. Sollte es ihm dieses Mal gelingen? Heat Dome sieht angeschlagen aus, scheint sich zurück zu ziehen. Und da! Hecker schafft es tatsächlich seine Ziellinie zu überqueren. Er sieht freudig aus. Aber was ist das? Da kommt der Schiedsrichter / innere Lektor und begutachtet das Geschriebene. Oh je. Das Publikum hält den Atem an. Die Mimik des Lektors verdüstert sich. Das, was da steht, ist nicht gut. Gar nicht gut. Also senkt er den Daumen und ein Raunen geht durch das Publikum. Hecker lässt den Kopf sinken und Heat Dome grinst triumphierend aus seiner Ecke.
Ding Ding. Runde 4.
Hecker sieht erschöpft aus. Diesmal greift Heat Dome gar nicht erst an. Er muss nicht. Er lehnt sich an die Seile und wartet. Erschöpfung erledigt seine Arbeit von ganz allein. Und Hecker liefert prompt: ein Text mit dem Titel „Herr Hecker zieht den Stecker". Erwachsene These, dass Aufgeben manchmal einfach vernünftig ist. Und da hängt es: das Handtuch. Weiß, frisch, kühl, riecht nach Weichspüler. Es verspricht Sofa, Ventilator und einen Nachmittag ohne Wortzähler. Hecker schaut es an, sehnsüchtig. Es wäre so leicht. Ein Wurf, und der Kampf ist vorbei. Keiner würde es ihm übel nehmen. „Bei der Hitze", würden die Leute sagen und verständnisvoll nicken. „Bei der Hitze."
Seine Hand wandert zur Ecke. Die Finger berühren schon den Stoff. Das Publikum hält den Atem an. Heat Dome lächelt zum ersten Mal richtig. Gleich hat er ihn.
Ding Ding Ding!
Gerettet durch den Gong. Die Runde ist vorbei, bevor Hecker das Handtuch werfen kann. Er steht mit dem Stoff in der Hand, ertappt, und hängt es zurück. Heat Dome flucht leise. So nah dran.
Ding Ding Ding!
Da klingelt es zur finalen Runde.
Hecker drückt die Finger durch. Dieses Mal ist es Heat Dome der angreift, schiebt das Zimmer-Thermometer sicher auf die 30 Grad-Marke zu. Doch da knipst Hecker den Ventilator an, setzt seine Kopfhörer auf – seine Fans wissen, dass das seine Kampfmontur ist – und fängt an zu tippen. Sein Manöver ist ein Klassiker: die Schreibblockade selbst zum Thema zu machen und alle seine bisherigen Ideen darin zu benutzen. Ein kluger Schachzug, bewährt, aber trotzdem abgewandelt. Und das sieht auch gut aus, denn sein Text nimmt Form an. Die Idee trägt. Absatz für Absatz. Die Einteilung in Runden gibt dem ganzen eine tragfähige Struktur. Er lächelt. Das erste Mal in diesem Kampf. Und auch hier wissen seine Fans, wenn Hecker lächelt, bedeutet ihm der Text etwas. Er funktioniert. Und da schreibt er sich auch schon über die Ziel-Marke, wischt sich den Schweiß von der Stirn und blickt Heat Dome an. Der sieht noch immer aus, als hätte er nicht ganz begriffen, was ihm gerade passiert ist, während Hecker schon jubelt.
Das Publikum ist auf den Beinen, Heat Dome steht noch fassungslos in seiner Ecke und betrachtet erstaunt, was da hier passiert. Und Hecker? Der lehnt sich, immer noch außer Atem, über die Seile, sucht deinen Blick.
Und grinst.
Welches Handtuch bist Du noch nicht bereit zu werfen?
Reflexionsfrage
Wisch Dir den Schweiß von der Stirn, schnapp Dir Stift und Papier und bleib dran. 💪
Hab ein erträgliches Wochenende. 😎
Dein André
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