Gedoptes Schreiben
André hat zu viel Kaffee getrunken. Und man merkt's.
Was ist Deine Lieblingsdroge?
Checkin-Frage

Saluti dalla scrivania
(Grüße vom Schreibtisch)
F. hat einen Fehler gemacht. Unser 80-jähriger-Barbetreiber um die Ecke hier in Italien, der uns morgens mit Stoff versorgt, hat heute für die zweite Runde keinen Deca, sondern einen normalen gemacht. Schulterzuckend sagte ich „Va bene“ und nahm das Tablett. Ich, der eine Borderline-Fernbeziehung mit dem Schlaf hat, trinke mittlerweile morgens nur noch einen koffeinierten. Den Rest des Tages heißt es ohne. Nur heute mal mit. Und ich fühle mich, als hätte ich eine weiße Line gezogen. Zumindest stelle ich mir das so vor.
Gerade habe ich meine Morgenseiten geschrieben und bei so vielen Worten und Gedanken leuchtete der neuronale Kosmos in meinem Kopf auf und Sternenkarten mit Gedankengängen begannen zu strahlen, wilde Assoziationen, weil das interessant war! Dieses auch! Und jener Gedankengang!
Ich schreibe gerade gedopt.
Merkt man’s?
Ich habe es bei einem meiner Lieblingsautoren nicht bemerkt. Ich nenne keine Namen. Aber er schrieb wahnsinnig lustige Texte über Alltagsbeobachtungen und seine Familie. Und immer wenn ich seine Bücher zuschlug, war ich energetisiert. Und hatte selbst Lust zu schreiben (auch Literatur kann eine Droge sein). Dann las ich vor ein paar Jahren, dass er "druff" war, als er schrieb. Härteres als einen zweiten Espresso. Und ein bisschen fühlte ich mich betrogen.
Ein ähnliches Gefühl wie heute, wenn rauskommt, dass ein Text mit oder von KI geschrieben wurde. Fühlte sich nicht so passend an. Irgendwie geschummelt. Denn ich versuche, aus mir selbst heraus Alltagsbeobachtungen und Lustiges und Energetisierendes zu schreiben. Ohne zu schummeln.
Aber ist es schummeln? Oder legen die Substanzen nur frei, was eh da ist?
Ziemlich große Frage, oder?
Dabei ist der Gedanke so verführerisch. Wenn in meinem Kopf mal wieder Stau herrscht, Ideen sich blockieren und nach drei Sätzen der Kritiker das Zepter übernimmt, klingt es doch wunderbar, ihn mit einer chemischen Walze platt zu bügeln, das Ego aufzuplustern und auf die Tasten zu hämmern. Oder?
Wobei, wenn ich jetzt mal hinhöre, hämmere ich auch gerade. Das Koffein wirkt. Und wird vermutlich später, oder heute nacht einen Preis verlangen. Den wird o.g. Autor vermutlich auch bezahlt haben müssen.
Denn ich frage mich, wie er heute auf seine eigenen Texte blickt.
Kann er sagen: „Das war ich"?
Denn das schätze ich sehr an meinen Texten.
Und wie sieht es bei Dir aus? Wie dopst Du Dich für den Tastentanz? Grüner Tee? Schwarze Brühe? Was Prozentiges? Oder doch anregende Literatur? Alles, was unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, lasse ich mal außen vor.
Eine Erfahrung möchte ich noch mit Dir teilen, denn darum geht es ja in einem Inspirationsnewsletter: Deine Texte können auch dopen. Vor allem die Guten. Also bevor Du Dich an einen neuen Text setzt, einfach mal einen Deiner besten nehmen und studieren. Und Du wirst merken, ein bisschen was von der damaligen Energie überträgt sich.
Huuuh, ganz schöner Gedankenritt heute morgen. Grüße an F. dafür. Aber wenn es reichte, dass auch Du etwas angefeuert bist, loszuschreiben, müssen wir ihm wohl beide danken. Darauf einen Deca!
Welcher Deiner Texte berauscht Dich? Und warum?
Reflexionsfrage
Brüh Dir noch einen auf, schnapp Dir Stift und Papier und schreibe mal los! Hab ein berauschendes Wochenende!
Dein André
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